FFH-Gebiet Nr. 28 "Hohe Schrecke - Finne"
Das FFH-Gebiet „Hohe Schrecke – Finne“ umfasst rund 5.700 Hektar und umfasst eine der größten zusammenhängenden Waldlandschaften Thüringens. Das Schutzgebiet erstreckt sich über die bewaldeten Höhenzüge der Hohen Schrecke und des deutlich kleineren Finnbergs, die landschaftlich ineinander übergehen. Während die Hohe Schrecke großflächig von naturnahen Laubmischwäldern geprägt wird, zeichnet sich der Finnberg auf vergleichsweise kleiner Fläche durch eine hohe Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume aus. Neben ausgedehnten Waldflächen kommen hier auch Trockenrasen, Mähwiesen, ein Kalk-Niedermoor, Quellen, Bachläufe und strukturreiche Waldbestände vor.
Der Schwerpunkt des FFH-Gebietes liegt auf seinen wertvollen Waldlebensräumen. Besonders bedeutend sind alte Buchen- und Eichenmischwälder mit hohem Alt- und Totholzanteil, die zahlreichen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten.


Urwald von morgen
Die Hohe Schrecke zählt heute zu den größten zusammenhängenden und weitgehend unzerschnittenen Waldlandschaften Mitteldeutschlands. Ihre Entwicklung wurde maßgeblich durch die jahrzehntelange Nutzung als militärisches Sperrgebiet sowjetischer Truppen geprägt, wodurch großflächige Bereiche von intensiver Erschließung und forstlicher Nutzung verschont blieben. Heute sind innerhalb des Schutzgebietes bereits mehr als 2.800 Hektar Wald dauerhaft aus der Nutzung genommen und entwickeln sich im Rahmen des Prozessschutzes zu naturnahen Wald- und Wildnislebensräumen. Ab 2029 werden weitere Flächen in den Prozessschutz überführt.
Mit ihrem hohen Totholzanteil bieten diese alten, unzerschnittenen Waldflächen zahlreichen spezialisierten Arten wie der Bechsteinfledermaus, dem Schwarzstorch und totholzbewohnenden Käfern wichtigen Lebensraum.
Lebensraumvielfalt auf dem Finnenberg
Der Finnberg zeichnet sich durch eine außergewöhnlich hohe Lebensraumvielfalt auf engem Raum aus. Die Südhänge des Finnbergs beherbergen blütenreiche Kalk-Trockenrasen mit Streuobstbeständen und seltenen Orchideenarten wie der Mücken-Händelwurz.
Zusammen mit den Mähwiesen auf der Nordseite des bewaldeten Höhenzugs bringen diese Offenlandlebensräume eine vielfältige Insektenfauna hervor. Diese wiederum bildet die Nahrungsgrundlage für Fledermäuse, Vögel und Amphibien.
Eine weitere Besonderheit auf dem Finnberg ist ein gut erhaltenes Kalk-Niedermoor, das als selten gewordener Feuchtlebensraum einen wertvollen Kontrast zu den trockenen Hanglagen bildet. Neben dem Breitblättrigen Knabenkraut und Wollgras kommt hier auch die streng geschützte Schmale Windelschnecke vor. Sie profitiert von den feuchten Standortbedingungen und der extensiven Pflege der Moorflächen.
Am Westende des Finnbergs befindet sich ein stillgelegter Steinbruch mit offenen Bodenflächen und wenig bewachsenen Gewässern. Diese besonderen Strukturen bieten Zauneidechsen, Teichmolchen und auch der vom Aussterben bedrohten Kreuzkröte geeignete Lebens-bedingungen. Als Krötenart, die ursprünglich an dynamische Auenlandschaften angepasst war, besiedelt sie heute Tagebaulandschaften. In den dort regelmäßig entstehenden lockeren Böden kann sich die Kreuzkröte tagsüber eingraben und im Frühjahr ihren Laich in gut besonnte Gewässer ablegen. Besucherinnen und Besucher können das ehemalige Tagebaugelände künftig von einem Aussichtspunkt erleben.

Die Hohe Schrecke zeichnet sich durch das engagierte Zusammenwirken verschiedener Akteure aus. Naturschutz, nachhaltige Waldbewirtschaftung, die Pflege wertvoller Lebensräume und die Förderung einer naturverträglichen Regionalentwicklung tragen gemeinsam zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Landschaft bei.


